Flugzeug liefert per Luftpost aus

Die Luftpost – Mit den Brieftauben fing es alles an…

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Schon im Altertum wurden Nachrichten mit Hilfe der sogenannten Flugpost zugestellt. Zur Überbringung der Botschaften setzten die Ägypter bereits vor über 3200 Jahren Brieftauben ein. Diese schnelle und zuverlässige Methode der Nachrichtenübermittlung wurde beispielsweise verwendet, um im Jahre 1279 v. Chr. die Krönung des Pharaos Ramses II. bekannt zu machen. Auch Julius Caesar nutzte die besonderen Fähigkeiten der flinken Vögel zur Übermittlung von Nachrichten und Befehlen an seine Truppen. Die Araber setzten im 12. Jahrhundert eine planmäßige Brieftaubenpost für Staatszwecke ein. Auch die ägyptischen Sultane betrieben im Mittelalter eine organisierte staatliche Flugpost. Zu dieser Zeit wurden die Brieftauben von den Kreuzrittern aus dem Vorderen Orient auch wieder nach Europa eingeführt. Diese Form der Luftpost wurde im 16. Jahrhundert im niederländisch-spanischen Krieg genutzt. Um 1850 gab es Brieftaubenverbindungen zwischen europäischen Zentren, wie Paris, Antwerpen und Brüssel. Über diese Wege wurden Zeitungsmeldungen und Börsennachrichten übermittelt. Auch Paul Julius Reuter, der Gründer des Nachrichtenunternehmens Reuters fing seinen Dienst mit einer 200-köpfigen Brieftaubenstaffel an. Mit diesen Vögeln verschickte er Mitte des 19. Jahrhunderts Börsennachrichten innerhalb Londons. Während des Ersten Weltkrieges kamen die Brieftauben zur Truppe der Schweizer Armee, wo sie bis 1995 im Einsatz waren.

 

Die ersten Flugmaschinen veränderten die Luftpost

Bereits Leonardo da Vinci entwarf die ersten Entwürfe von Flugmaschinen. Aber erst die Brüder Montgolfiere entdeckten die Möglichkeit, mit Hilfe von heißer Luft eine Papiertüte nach oben steigen zu lassen. Damit war die Grundlage für die Entwicklung des ersten Heißluftballons geschaffen. Der erste Flug eines Menschen mit einer Montgolfiere fand am 21. November 1783 statt. Bereits ein Jahr später wurden auf diesem Wege kleinere Nachrichten transportiert. Der eigentliche Beginn der Ballonpost liegt im Jahr 1793, als in Frankreich aus belagerten Festungen Mitteilungen mit kleinen Ballons verschickt wurden. Auch im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurde die Kommunikation durch Brieftauben und Ballonpost aufrecht erhalten. Mit den Ballons wurden nicht nur Briefe, sondern auch Brieftauben transportiert, die anschließend auf ihrem Rückweg Antworten übermitteln konnten. Zum ersten Mal amtlich eingesetzt wurde die Ballonpost als Luftpost am 17. Juli 1859 in den USA. Auf einem Flug von St. Louis nach Henderson in New York beförderte der Pilot John Wise 123 Briefe. Im Juni 1897 fand der erste amtliche Ballonpostflug in Deutschland statt. Im Rahmen der Leipziger Gewerbeausstellung übergab Louis Godard Postkarten der Reichspost zur Weiterbeförderung. Luftpost per Heißluftballon fand bis Ende des 19. Jahrhunderts vorwiegend aus militärischen Gründen oder als Attraktion bei außergewöhnlichen Veranstaltungen statt.

Mit dem Flugzeug wird die Luftpost kommerziell

Briefmarke für Luftpost
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Nachdem Otto Lilienthal mit einem Hängegleiter seine ersten Flugversuche bereits im Sommer 1891 absolvierte, dauerte es noch zwölf Jahre bis zum ersten motorisierten Flug. Die Gebrüder Wright führten ihn am 17. Dezember 1903 durch. Bereits fünf Jahre später wurde zum ersten Mal Luftpost durch ein Flugzeug befördert. Der erste offizielle Flug, bei dem Luftpost transportiert wurde fand in Indien statt. Im Rahmen einer Welt-Postausstellung flog der französische Pilot Henri Pequet zum ersten Mal Briefe gegen Gebühr von Allahabad nach Naini. In Deutschland wurde der erste Postflug der Deutschen Reichspost am 19. Mai 1912 von Mannheim nach Heidelberg durchgeführt. In der Schweiz wurde die erste offizielle Luftpost am 9. März 1913 von Basel nach Liestal transportiert. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wurde in verschiedenen Ländern intensiv am Ausbau eines Netzes zur Beförderung von Luftpost gearbeitet. Während des Krieges gewann die Militärflugpost zunehmend an Bedeutung. Bereits im Oktober des Jahres 1914 wurden Soldaten im von Russen eingekesselten Przemysl von österreichisch-ungarischen Piloten mit Luftpost versorgt. Das Deutsche Reich richtete seine ersten Flugpostverbindungen, die regelmäßig stattfanden, gegen Ende des Ersten Weltkrieges ein. Auf diesen Linien wurden Ziele im Baltikum und an der Ostfront in Russland angeflogen.

Die Geschichte der zivilen Luftpost begann in Deutschland kurz nach dem Ersten Weltkrieg am 5. Februar 1919. Ab diesem Datum wurden zweimal täglich Zeitungen und Postsendungen von Berlin nach Weimar gebracht, wo die Nationalversammlung tagte. Zu Beginn waren die Mitglieder der Versammlung ausschließlich berechtigt, die Luftpostverbindung zu nutzen, die allerdings nach einigen Monaten auch für die Öffentlichkeit freigegeben wurde. Die Luftpost erfuhr in den folgenden Jahren einen enormen Aufschwung. Die Zahl der regelmäßigen Verbindungen stieg nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Westeuropa und in den USA. Am 11. August 1920 wurde zu ersten Mal Luftpost von Deutschland ins Ausland – nach Malmö in Schweden – befördert.

Am 6. Januar 1926 wurde die Deutsche Luft Hansa Aktiengesellschaft gegründet, die ab 1934 Deutsche Lufthansa hieß. Die Luft Hansa war verpflichtet, auf jedem Flug Platz für Luftpost bereit zu halten. Der schnelle Ausbau des weltweiten Flugnetzes sowie die rasante Weiterentwicklung der verschiedenen Flugzeugtypen brachten der Luftpost einen enormen Aufschwung.

 

Im Zweiten Weltkrieg war Luftpost unverzichtbar

Die Luftpost – zur Zeit des Zweiten Weltkrieges Luftfeldpost genannt – war der bedeutendste Kommunikationsweg in allen beteiligten Ländern. Das Luftpostnetz wurde nahezu weltweit weiter ausgebaut, um Güter, Waffen, Informationen und vor allem Grüße zwischen der Heimat und der Front zu transportieren. Im April 1942 entstand bei Brest-Litowsk der erste Abflughafen für deutsche Luftfeldpost, der im Verlauf des Krieges nach Lodz verlegt wurde. Der Deutsche Luftfeldpostdienst musste am 6. Juli 1944 seinen Betrieb einstellen. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Luftpostdienst in den besetzen deutschen Gebieten von ausländischen Firmen übernommen, die nach und nach die Infrastruktur für Luftpostverbindungen wieder aufbauten. In Deutschland waren die ersten Luftpostsendungen ab dem 20. Oktober 1948 wieder möglich.

Die Deutsche Lufthansa wurde 1954 neu gegründet und bot ab 01. April 1955 wieder regelmäßige Luftpostflüge an.

Die Berliner Luftbrücke

Ab dem 24. Juni 1948 kam der Luftpost eine ganz besondere Bedeutung zu. Die Sowjetische Besatzungsmacht hatte eine komplette Blockade des Berliner Westteils eingerichtet. Die Bevölkerung in diesem Teil der Stadt konnte nur und ausschließlich von außerhalb durch mit Essen durch Lebensmittelversand, anderen Gütern und Post versorgt werden. Die Luftpost war für das Überleben der eingeschlossenen Westberliner unverzichtbar.

Die Luftpost heute

Das Aufkommen an Luftpost in Deutschland und im Ausland wächst ständig. Der Transport von Waren und Gütern über große Entfernungen oder in schwer zugängliche Gebiete dieser Welt lässt sich oft nur mit dem Flugzeug ermöglichen. Eine Warensicherung ist zwingend notwendig. Besonders in Ländern, in denen keine Beförderung per Bahn oder Schiff möglich ist, kommt der Luftpost in Form von Kartons nach wie vor ein sehr hoher Stellenwert zu.

Luftpost verliert dagegen an Bedeutung, wenn es sich um den Transport von Nachrichten handelt. Im digitalen Zeitalter werden Informationen zunehmend über elektronische Medien verschickt. Das ist schneller und meist billiger als der Brief, den die Luftpost befördert.